Liebe als Geschenk anerkennen

„Liebe ist ein Geschenk“

Was Paare für ihre Beziehung tun können, weiß Martin Schmidt von der Forschungs- und Praxisstelle für Paar- und Familientherapie an der LMU. Ein Interview über Rituale, romantische Vorstellungen und das Fremde im Partner.

Der Valentinstag scheint immer präsenter und beliebter zu werden. Woran könnte das liegen?
Martin Schmidt: Der Valentinstag ist ein kulturelles Datum, das Erinnerungen auslösen und ein Paar dazu bringen kann, die gemeinsame Paargeschichte zu reflektieren. Typisch dafür ist die Frage: Weißt du noch damals? Die ersten Erinnerungen, die Paare an sich als Paar haben, sind sehr wichtig. Sie knüpfen in der Regel an eine gute gemeinsame Zeit an und damit an etwas Positives. Mit dieser Wir-Erzählung definiert sich ein Paar als Paar in Abgrenzung zur Umwelt. Durch Rituale wie das Feiern von Hochzeitstagen oder auch den Valentinstag wird die Wir-Geschichte perpetuiert und damit auch gestärkt.

An Valentinstagen kommen viele Paare zusammen, wie Auswertungen sozialer Netzwerke zeigen. Haben sie einen guten Start?
Sie haben immerhin einen Start. Ein Paar, das zusammenkommt, hat gewisse Vorstellungen von romantischer Liebe. Diese positiven Illusionen sind tragfähig, wenn sie entsprechend genährt werden, und dazu das Gefühl kommt: Wir passen zusammen. Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft. Wenn dies gekoppelt ist mit einer Wachstumsorientierung, also mit dem Vorsatz „Wir sind nicht nur bereit, diese Schicksalhaftigkeit anzunehmen, sondern wir wollen uns auch entwickeln“, dann sind das sehr gute Startbedingungen für eine Beziehung.

Und wie haltbar ist die Vorstellung der romantischen Liebe?
Liebe ist ein Geschenk. Sie ist nicht primär auf Gegenseitigkeit ausgerichtet, sondern sie ist eine Gabe. Das ist etwas völlig anderes als die Paarzufriedenheit, die sich messen lässt, und bei der es, wie bei einem Vertrag, um Geben und Nehmen geht. Viele glauben, man könnte die Liebe steuern. Als könnte man eine kognitive Kontrolle ausüben über Gefühle. Es ist wichtig zu erkennen, dass Gefühle ihre eigene Logik haben. Die Liebe kann ich nicht direkt beeinflussen. Aber ich kann Bedingungen schaffen, bei denen eine Liebe, wenn sie nicht mehr da ist, wieder kommen kann.

Was sind diese Bedingungen?
In einer Paarbeziehung wird mir die andere Person letztlich immer fremd sein. Ich versuche mir, mit meinem Intellekt den anderen begreifbar zu machen, aber ich werde ihn nie ganz verstehen. Wichtig ist, dass ich es versuche, und dass ich das Scheitern miteinbeziehe und mir immer wieder vor Augen führe: Es könnte auch ganz anders ein. Fremdsein ist negativ konnotiert, denn der Gedanke, nie zu wissen, wer die andere Person ist, erzeugt Unsicherheit. Das Fremde bedeutet aber auf der anderen Seite die Chance, immer etwas neu zu entdecken.

Ich versuche also in einer Paarbeziehung etwas zu bestimmen, befinde mich aber in einem unbestimmbaren Feld. Da das beide Partner machen, schaffen sie einen gemeinsamen Boden. Das ist ihre Paargeschichte, die auch eine Liebesgeschichte sein kann. Aber dieser Boden ist ein von beiden gemachter Boden, der immer verändert werden kann.

Und in einer Paartherapie lässt sich dieser Boden ändern?
Die Therapie schafft einen sicheren Rahmen, in dem ein Paar experimentieren kann. Paare sind dabei auf der Suche nach Gerechtigkeit und nach einer Balance. Es muss genügend Ich da sein, aber auch Platz für das Wir. Diese Balance muss ständig ausgehandelt werden. In einer Paarbeziehung gibt es eine ……

Weiterlesen: http://www.uni-muenchen.de/aktuelles/spotlight/2013_meldungen/valentinstag.html

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