Suizidalität und Notfälle

Nehmen Verzweiflung, Rückzug, Trauer und existenzielle Angst zu viel Raum im Lebensalltag ein, so droht womöglich auch der Glaube an die Verbesserung der Lebensumstände und der eigenen Befindlichkeit verloren zu gehen. Im Zusammenhang mit schweren Krisen und depressiven Erkrankungen kann es zu Gefühlen des Lebensüberdrusses, zum Wunsch dies alles nicht mehr ertragen zu müssen, kommen. Nicht mehr leben zu wollen und dem Leben ein Ende setzen zu wollen sind in solchen Phasen Gedanken, die dem Leiden seinen stärksten Ausdruck verleihen können. Zuerst tritt meist eine verstehbare Unzufriedenheit und emotionale Überbelastung ein. Diese kann zu Antriebslosigkeit und sozialem Rückzug führen. Im Versuch die Situation zu bewältigen kommen alle Formen von Strategien vor, sinnvolle sowie dysfunktionale. Auch Ablehnung und Zurückweisung von gut gemeinten Unterstützungsangeboten kommt vor.

 

Suizidalität und suizidale Gedanken sind immer ernst zu nehmen

Die oft gemachte Unterscheidung zwischen ‚erstzunehmenden‘ und ‚appelativen‘ Äusserungen erweist sich als wenig sinnvoll bei der Einschätzung des Schweregrades der suizidalen Gedanken. Meist führen solche Versuche nur zu einem noch stärkeren Rückzug und zum noch intensiveren Gefühl des Unverstandenseins bei der leidenden Person. In solchen Momenten ist die Inanspruchnahme von professioneller Hilfe unentbehrlich und zwingend. Oft braucht es für die Betroffenen die gezielte und aktive Hilfe von Bezugspersonen, welche die Entwicklung der persönlichen Krise in der Regel bereits im längeren Verlauf begleiten mussten. Der Hausarzt ist meist die erste Ansprechperson, welche auch weiterführende Hilfen zugänglich machen kann, zu denen Psychotherapie als Hilfe der Wahl gehört.

Ausserhalb der regulären Praxiszeiten steht der amtliche Notarzt zur Verfügung, welcher auch über den Sanitätsnotruf 144 erreichbar ist. Zögern Sie als Bezugsperson auch gegen den Willen einer suizidalen Person nicht, diese Hilfen in Anspruch zu nehmen. Der Arzt kann die Ernsthaftigkeit der vorliegenden Situation einschätzen und alle nötigen Massnahmen einleiten. Im Rahmen einer laufenden Psychotherapie können solche Gefühle offen thematisiert werden und ohne die übliche Abwehr und Verurteilung, als Teil des Leidens, bearbeitet werden. Nur so ist es möglich eine Öffnung und Linderung zu ermöglichen, welche den Leidensdruck auch längerfristig reduzieren kann. Gegebenenfalls ist auch eine Medikation durch einen Arzt eine sinnvolle Unterstützung.

Notrufnummern:

– Sanitätsnotruf 144
Klinik Waldhaus Chur: +41 58 225 25 25 (24-Stunden am Tag erreichbar)