Katastrophenmeldungen und Psyche

Katastrophenmeldungen und Psyche

 

Ob die Welt schlechter wird, mehr Krisen entstehen und bewältigt werden müssen oder ob generell Vieles ins Wanken kommt sei dahingestellt. Ausser Frage steht jedoch, dass die Menge der Katastrophenmeldungen, die uns Menschen erreichen sicher nicht ihre Wirkung verfehlt. Die Art und Weise wie wir damit umgehen kann sehr unterschiedlich sein.

 

 

Die subjektive oder auch objektive Häufung von Schreckensmeldungen kann die individuelle Wahrnehmung der Welt und der eigenen Befindlichkeit stark beeinflussen. Wir Menschen sind ständig auf Informationen aus unserer Umwelt angewiesen, um unsere Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten zu leisten. Dies betrifft nicht nur Informationen aus dem nächsten Umfeld, sondern auch die global verfügbaren Facts. Diese Anpassungsleistung entschied in Urzeiten schlussendlich über Sein oder nicht Sein.

 

Katastrophenmeldungen und Psyche – was wirkt wie?

In Zeiten, in denen Angst zudem als beliebtes Mittel verwendet wird um auch politische Stimmung zu erzeugen, findet dadurch eine nicht zu unterschätzende Prägung auch der gesellschaftlichen Realitätswahrnehmung und Realitätskonstruktion statt. Wir müssen nicht von einer eigentlichen kollektiven Traumatisierung sprechen, um zu verstehen, dass eine Fokussierung auf Problemfelder eher vorsichtiges Verhalten und Rückzug fördert während ein vertrauensvolles und zuversichtliches Weltbild mehr Aktivität und Lebensfreude generiert.

Im Zusammenhang mit Ereignissen grossen Ausmasses, die sich dem Einfluss des Einzelnen entziehen, kann sich leicht ein Gefühl des Verlustes von individueller Kontrolle bilden, das dem Individuum deutlich zu verstehen gibt, dass seiner Selbstwirksamkeit deutliche Grenzen gesetzt sind. Eine eigentliche Aufbruchsstimmung kann unter solchen Vorzeichen schwer aufkommen.

Es ist belegt, dass persönlich erlebte, potentiell traumatisierende Erlebnisse ganz eigene Regelwerke in sich tragen was die Verarbeitung und Abspeicherung in unserem Gedächtnis betrifft. Auch wissen wir, dass eine Anhäufung solcher Erlebnisse kumulativ wirkt und zu massiven psychischen Folgeschäden führen kann. Diese Mechanismen können unter gegebenen Umständen auch zu einer Form von kollektiver Traumatisierung führen, welche unterschiedlich starke Wirkungen bei Menschen haben können.

 

Einfluss nehmen

Trotzdem krisenhafter Stimmung erleben Individuen manchmal gerade in schwierigen Zeiten erst so richtig Auftrieb und mobilisieren Energie um Neues anzupacken. So gesehen kann ein Klima von Belastung auch die Kraft zur Bewältigung freisetzen. Zentral ist dabei die Fähigkeit bewusst zwischen verschiedenen Aspekten der Realität unterschieden zu können und die positiven Anteile nicht aus den Augen zu verlieren. Diese müssen auch aktiv gepflegt werden, vorausgesetzt die akut umgebende Situation ist nicht real und unmittelbar bedrohend. Und dies ist bei uns meist nicht der Fall.

Wissenschaftlich belegt ist auch die Tatsache, dass der Glaube an eine höhere Instanz, welche auch regulierend und dadurch Vertrauen gebend mitwirkt, eine Schutzfunktion darstellen kann. Die spirituelle Verankerung reduziert das Geschehen im Hier und Jetzt auf eine tiefere Stufe und macht die Wahrnehmung und auch leichter.

Unter dem Titel ‚Resilienz‘ wird die Eigenschaft oder Fähigkeit des Individuums verstanden auch mit schwierigen Lebenssituationen fertig zu werden. Dazu liefert die folgende Seite Informationen zu Definition und Aspekten:

http://de.wikipedia.org/wiki/Resilienz_(Psychologie_und_verwandte_Disziplinen) .

 

Persönliche Beeinträchtigungen und Psychotherapie

Es ist schwer zu beurteilen, welche persönlichen Nöte schlussendlich zu therapeutischen Konsultationen führen. Sind sie in Ereignissen zu suchen, die ganz im persönlichen Umfeld zu suchen sind, entspringen sie einer mehr gesellschaftlichen Stimmung oder, und das dürfte in der Regel der Fall sein, wirken die verschiedensten Einflüsse wie ein Puzzle zusammen und führen dann schlussendlich zu einer persönlichen Verfassung, die als belastend oder auch lebensbehindernd erlebt wird?

 

Zum Thema Belastbarkeit und Psyche: http://de.wikipedia.org/wiki/Belastung_(Psychologie)

 

Diese kurze Ideensammlung ist auf dem Hintergrund eines Interviews mit Olivier Berger der Südostschweiz-Medien entstanden und versteht sich nicht als erschöpfend.

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