Übersichtsartikel zu Psychotherapiewirksamkeit

 

Das Stigmata der Psychotherapie und Psychotherapiewirksamkeit

Über seelische Leiden wird so offen geredet wie nie. Doch ernsthaft Betroffene finden kaum richtige Hilfe. Was läuft schief?

VON CHRISTIANE GREFE in der Zeit 2012

 

Als sich Hanna Pohl* zum ersten Mal bei ihrer Psychotherapeutin fallen lässt, hat sie noch immer das Gefühl: Eigentlich gehöre ich gar nicht hierher. Die 40-Jährige, zierlich, asymmetrischer Kurzhaarschnitt, hat viel erreicht. Sie lebt in einer schönen Altbauwohnung in Berlin und entwickelt Vermarktungsstrategien für ein globales Technologieunternehmen. Sie ist gefördert worden, gut bezahlt, war immer passioniert bei der Arbeit.
Bis sich ihre Abteilung, von Schließung bedroht, in ein Haifischbecken verwandelt hat. Die Teamleiterin Pohl erlebt, wie sie „leistet und leistet“, aber im Konkurrenzkampf trotzdem „fertiggemacht und weggebissen“ wird. Zwei Jahre geht das so, jetzt hat sie sich endlich einen Ruck gegeben: „Lass dir mal helfen. Rede mit jemandem nur über dich. Den Luxus gönnst du dir.“
Die Geschichte klingt wie eine jener typischen Burn-out-Episoden , von denen man seit einiger Zeit überall hört und liest. Doch sie wirft eine Frage auf, die dabei selten gestellt wird und längst nicht nur gestresste Manager und Erschöpfungsgeplagte betrifft: Warum hat Hanna Pohl so lange gewartet, bis sie zu einem Therapeuten ging? Kann es sein, dass – trotz all der Berichte über ausgebrannte Fernseh- und Fußballstars – noch immer viele Menschen Hemmungen haben, sich einem „Seelenklempner“ anzuvertrauen? Fehlt ihnen im  ……..

 

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